Autor

Autor und Filmemacher

Alexander Schiebel

Wir müssen unsere größten Probleme und deren Ursachen besser verstehen - und wir müssen sie so präsentieren, dass es Spaß macht sich damit zu beschäftigen!

2017 veröffentlichte ich meinen ersten Tatsachen-Roman mit dem Titel „Das Wunder von Mals“ im Münchner oekom Verlag.

2014 stimmten die Bürger der 5000-Seelen-Gemeinde Mals im Vinschgau in einem Referendum mit einem klaren „Ja“ für eine Zukunft ohne Glyphosat & Co. Eine deutliche Mehrheit von 75,88% sprach sich für ein Pestizid-Verbot auf dem Gemeindegebiet aus. Auch auf landwirtschaftlich genutzten Flächen. Um diesen Bürgerentscheid umzusetzen, beginnt ein ungleicher Kampf: hier die 5000-Seelen-Gemeinde, angeführt von einem Dutzend charismatischer Querdenker, dort eine übermächtige Allianz aus Bauernbund, Landesregierung und Agrarindustrie.

Am 18.10.18 wurde mir für mein Erstlingswerk der Salus-Medienpreis überreicht. Stefan Kreutzberger hielt die Laudatio:

„Heute Abend habe ich die Ehre auf einen Kollegen die Laudatio zu halten, dessen Werk mich zutiefst bewegt hat. Ich sage bewusst Werk, da es hierbei nicht nur um sein bereits zehntausendfach verkauftes Buch „Das Wunder von Mals“ oder den gleichnamigen Dokumentarfilm geht, sondern um ein Gesamtkunstwerk aus aufrichtigem persönlichen Engagement, einen durch Crowdfunding finanzierten Film, einen aufrüttelnden Blog im Internet und letztendlich um ein Lehrstück über den Zustand unserer Demokratie.

Alexander Schiebel benennt die Kernfrage seines Gesamtprojektes so: „Was geschieht, wenn Bürger sich gegen ein System erheben, das sie als unrecht empfinden?“ Nicht umsonst prangt ein blauer Eyecatcher auf dem Titelcover des Buches, der verspricht: „Eine Anleitung zum Widerstand.“ Getreu dem aus der Spontiszene der siebziger Jahre stammenden Satzes „Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht“ führt uns Schiebel auf eine grandios persönliche und authentische Art und Weise in die Welt einer kleinen Gemeinde im Südtiroler Vinschgau ein, so dass man bereits nach den ersten Porträts der im Widerstand agierenden Personen sofort dort vorbeifahren möchte, um ihnen die Hand zu reichen und auf die Schulter zu klopfen.

2017 erschien mein Buch "Das Wunder von Mals"
2018 lief der gleichnamige Film im Kino. 2019 erschien die DVD.

Da lernt man so famose Menschen wie den Biobauer Günther Wallnöfer kennen, die engagierte Kinderärztin Elisabeth Viertler, den Apotheker und Aktivisten Johannes Fragner-Unterpertinger und viele andere mehr. Kein Wunder denkt man, dass Schiebel mit seiner gesamten Familie schließlich nach Mals, in das Dorf der unbeugsamen Vinschgauer umgezogen ist, man würde es gerne selber tun.

Bei allem persönlichem Enthusiasmus weiß Schiebel aber sehr wohl zu differenzieren. Er erzählt auch von dem Biobauern Urban Gluderer, der sich gegen das Gift seiner konventionell arbeitenden Nachbarn wehrt und dafür abgestraft, gemobbt und quasi zur Unperson erklärt wird. Im schönen Vinschgau herrscht eben auch „eine Kultur von Kriechern und Heuchlern, die jeden kreuzigt, der weder kriecht noch heuchelt“. Südtirol ist die Südtiroler Volkspartei SVP und „wer dem Übervater widerspricht, geht ohne Abendessen zu Bett. Und wer jeden Abend widerspricht, bekommt halt gar kein Abendessen mehr“, schreibt Schiebel so treffend.

Und Schiebel widerspricht täglich, verändert auch satirisch das LandesLogo in „Pestizidtirol“ und setzt es in seinen Blog. Daraufhin verliert er seinen Auftrag bei der Südtiroler Marketingagentur, für die er die Doku-Reihe „Südtirol erzählt“ gestaltet hat und wird auch von der Polizei bedrängt. Schiebel ist nun schon lange kein neutraler Beobachter mehr, er mischt sich ein und bestimmt den Ablauf der Dinge mit. Er sieht sich selbst als „teilnehmenden Beobachter, der als Filmemacher mit der Kamera in der Hand selbst zum Akteur der Geschichte wird.“

Als Journalist reagiere ich auf so eine Äußerung erst einmal irritiert, da mir eingeimpft wurde, neutral zu bleiben, sich nicht gemein zu machen mit einer Position. Aber dieser Anspruch dient oftmals nur dazu, eine kritische Berichterstattung zu unterbinden und freiwillige Maulkörbe zu verteilen. Denn, (in leichter Abwandlung des besagten Spontispruchs) wo „Unrecht zu Recht ernannt wird, wird Widerstand zur Pflicht“, und das bezieht meines Erachtens genauso den Journalisten, den Filmemacher und Berichterstatter ein. Und das gilt nicht nur im Widerstand gegen das Unrecht der Vergiftung unserer Umwelt, sondern auch gegen die fortschreitende Vergiftung unseres Denkens und unserer demokratischen Kultur durch Rechtspopulisten und Neonazis.

Das Buch zeichnet minutiös die Geschichte des Widerstandes in der Gemeinde Mals und die unfassbaren Reaktionen der Obstbauern und der Agrarindustrielobby, der übermächtigen „Einheitspartei“ SVP und der ignoranten Südtiroler Landesregierung nach. Es ist ein Kriminal-Lehrstück unserer Scheindemokratie, wie versucht wird, den Willen der Bevölkerung zu torpedieren, die Aktivisten zu mobben und finanziell zu bedrohen. Obwohl sich die Bürgerschaft in einer bindenden Volksabstimmung mit überwältigender Mehrheit für einen Ausstieg aus dem Pestizidwahnsinn ausspricht, knickt der politisch unter Druck gesetzte Gemeinderat ein und stimmt gegen seine eigenen Interessen. Erst nach einer Neuwahl des Rates gelingt es dem aufrechten Bürgermeister, die Gemeindesatzung zu ändern und eine kommunale Verordnung zum schrittweisen Ausstieg aus der Giftvernebelung zu erlassen. Die Reaktion der Mächtigen folgt auf dem Fuße: Der Südtiroler Landtag beschließt daraufhin ein Gesetz zur Neuregelung des Pflanzenschutzes, das den Gemeinden alle Entscheidungsbefugnis entzieht und sogar untersagt eigene Rückstandsmessungen durchzuführen. Doch damit nicht genug: Ein Gericht in Bozen erklärt die Volksabstimmung von 2014 und alle Rechtsakte, die sich darauf beziehen für ungültig.

Glänzend wie Schiebel später in seinen Antworten auf dumpfe Blogbeiträge die vorgeschobenen Argumente der Pestizidbefürworter eins nach dem anderen auseinander nimmt und als Heuchelei entlarvt. Diese Muster lassen sich in gleicher oder ähnlicher Form in vielen aktuellen politischen Auseinandersetzungen finden.

„Das Wunder von Mals“ ist neben all den Rückschlägen und erlittenen Verletzungen aber ein Projekt, das wirklich Mut macht und Hoffnung gibt.

Gemeinsam haben die Aktivisten letztlich doch viel erreicht: Zahlreiche Gemeinden begeben sich im Jahr 2018 auf den Weg zur Pestizidfreiheit und in vielen Städten und Gemeinden in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Luxemburg gründen sich z.Z. lokale Ernährungsräte und Initiativen, die sich für eine nachhaltige Landwirtschaft, die Förderung regionaler Produkte und eine gesunde Ernährung einsetzen.

Zum Ende des Buches löst Schiebel auch das Geheimnis der Malser Rebellen, oder der sieben Samurai, wie er sie an anderer Stelle nennt: Das Geheimnis ist, dass sie kein Geheimnis haben, keine übermenschlichen Kräfte und auch keinen Zaubertrank. Sondern „aufrechten Eigensinn und Ausdauer, getragen von einem tiefen Vertrauen, dass alles letztlich gut enden wird.“ Das gleiche muss man auch über Alexander Schiebel sagen, der seine persönlichen Erfahrungen wie folgt zusammen fasst: „Ich glaube nämlich, dass dieses Sichwehren, dieses Aufstehen, dieses Die-eigene-Stimme-Erproben, diese Für-etwas-Eintreten so überaus positiv ist, dass es das Leben all dieser Menschen für immer verändern wird. Ganz egal, ob sie gewinnen oder nicht.“ Und für diese urdemokratische und humanistische Haltung, meine Damen und Herren, hat Alexander Schiebel den ersten Preis des diesjährigen Salus-Medienpreises aus vollem Herzen verdient…, Herzlichen Glückwunsch!“

Danke, lieber Stefan Kreutzberger, für diese Laudatio, die mir besonders viel bedeutet, da sie von einem Kollegen kommt, dessen Werke ich seit vielen Jahren mit Begeisterung lese und bewundere.

Das Kinoplakat des "Wunder von Mals"
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